Im deutschen Friedhof halten Deutsche Wache
Der deutsche Friedhof in der Stadt Kars ist nach der Entfernung der Umzäunung von der Zuckerfabrik im Freien. Zwei Deutsche halten Wache zum Schutz der Gräber vor weidenden Tieren.
23.10.2011 12:00



In dem Krieg von 1877-78, als die Russen, den 93`err Krieg bezeichnen, wurden die Deutschen nach der Eroberung von Kars von den Russen in der Gegend angesiedelt. Der Friedhof war lange Jahre innerhalb der Grenzen der Zuckerfabrik und war eingezäunt. Als in einem Teil von dem Gebiet der Zuckerfabrik eine Geburtsklinik errichtet werden sollte, wurde die Einzäunung entfernt. So blieb der deutsche Friedhof mit etwa 150 Gräber im Freien, zur dessen Schutz vor Tieren halten jetzt zwei Deutsche Tag und Nacht Wache. Der 42 Jahre alter August Albuk, Vater von zwei Kindern, und sein Bruder Petro Albuk stellten ein Zelt auf und halten die Tiere fern, die zur Nahrungssuche hierhin kommen.

Kars wurde im Jahre 1877 von den Russen eingenommen, daher wurden die reliösen Minderheiten, zu denen die Deutschen zählten hierhin angesiedelt. Etwa 10 Tausend Menschen wurden in das Stadtzentrum und die umliegenden Dörfer verteilt. So sind im Kreis Arpacay, aus den Dörfern Pasacayir und Karacaören viele Deutsche in den Jahren um 1960 nach Deutschland ausgewandert. Für die wenigen zurückgebliebenen Deutschen existierte der Friedhof, der im Jahre 1877 errichtet wurde, weiter. Der Friedhof wurde später dem Gelände von der Zuckerfabrik einverleibt, daher wurde es mit einem Zaun umgeben und mit Bäumen bepflanzt. Nachdem das Gesundheitsministerium zur Errichtung einer Geburtsklinik ein Teil von der Zuckerfabrik losgesagt hatte, wurde die Umzäunung des Friedhofes ein stück zurück verlegt. So stand der Friedhof ohne Zaun im Freien, die Tiere kommen zum Fressen her. An den etwa 150 Gräbern begannen deutschstämmige Wache zu halten. August Albuk erinnerte daran, dass er seinen Vater Firedirik vor 14 Jahren hierhin begraben habe und seine Mutter Olga Albuk vor 2.5 Monaten beerdigt habe.


August Albuk erzählt, dass seine Vater und seine Mutter auf ihren eigenen Wunsch auf dieser Stelle beerdigt sein. Er und sein 38 jähriger Bruder petro seien sehr betrübt, dass auf dem Friedhof Tiere grasen würden. In der Türkei zu leben sei sehr schön, meinte er. Weiterhin sagte er:
„ Dieser Friedhof wurde in den Jahren um 1877 errichtet. Früher stand unser Friedhof unter dem Schutz der Zuckerfabrik, aber als die Zäune zurückgezogen wurde, stand unser Friedhof im Freien. Drumherum ist kein Schutzzaun mehr. Die Tiere werden ständig auf unseren Gräbern geweidet. Ich möchte nur eines sagen: In der Türkei zu Leben ist schön, aber nicht zu Sterben. Ich hoffe auf Unterstützung zu diesen Thema von den Verantwortlichen. Unsere finanziellen Mittel reichen nicht um die Umgebung herzurichten. Jeden Tag sehe ich diesen Platz und verzweifle. Hier liegen meine Mutter und mein Vater. Wenn ich keine Lösung finden kann, komme ich jeden Tag her und halte Wache bis es Schnee gibt“.

Früher hätte August Albuk bei einem privaten Arbeitgeber in Izmir gearbeitet, er sagt: “Als ich von dem Zustand des Friedhofs erfahren haben, habe ich meine Arbeit aufgegeben und bin nach Kars gekommen. In diesen Gräbern liegen nicht nur meine Mutter und mein Vater, sondern auch der Großvater, die Großmutter und eine Menge weiterer Angehöriger. Ich bin in einer Familie mit vier Personen, der Ältester. In unserem Dorf gibt es außer unserer Familie keine deutschstämmigen Leute mehr“.

August und Petro Albuk haben zum Schutz der Gräber ihrer Eltern, die nebeneinander liegen, Zelte aufgebaut. Während der Nacht versuchen sie sich aufzuwärmen, indem sie auf einem kleinen Gaskocher Teewasser aufsetzen. August Albuk sagt:“ Dies ist eine kulturelles Erbe. Wir machen keine Werbung. Ob ich hungere oder nicht, ich stehe neben den Gräbern meiner Eltern, die mich zur Welt gebracht haben. Ich kann mich glücklich schätzen. Wenn der Friedhof kein deutsches Friedhof wäre, sondern ein türkisches Fridhof, so wäre es immer noch mein Friedhof, meine Kultur. Zu Zeit sind alle in ihren Häusern im Warmen, währen ich vor den Gräbern wache. Darüber kann ich stolz sein, denn diese Mutter hat mich genährt“.

Dinçer AKTEMUR. DHA